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Grandioser Abschluss mit „Fest der Lieder“

„Das war heute ein phantastischer Abend und ein hervorragender Abschluss des „Kultursommer Eremitage Waghäusel“. Oberbürgermeister Walter Heiler sprach den 500 Besuchern, darunter auch der Hambrücker Bürgermeister Thomas Ackermann und Waghäusels Erster Beigeordneter Thomas Deuschle, aus dem Herzen. Vorausgegangen war ein zweistündiges gemeinsames Konzert des Sinfonischen Jugendblasorchesters Karlsruhe unter der Leitung von Stefan Kollmann mit dem fast hundertköpfigen Chor der beiden Frohsinn-Gesangvereine aus Kirrlach und Jockgrim, die mit Sängern des Kirrlacher Männerchors verstärkt wurden. Fasziniert hat auch der Auftritt des Jockgrimer Kinderchors mit den beiden Solisten Katharina und Niklas. Die Gesamtchorleitung hatte mit gewohnter Souveränität Richard Trares übernommen.

Das beeindruckende Konzert wurde von dem künstlerischen Leiter Stefan Kollmann ganz bewusst mit vielen deutschen Volksliedern wie „Ännchen von Tharau“, „Ein Männlein steht im Walde“, „Heidenröslein“, „Kein schöner Land“ oder „Der Mond ist aufgegangen“ bereichert. Die Symbiose aus Chorgesang und sinfonischer Blasmusik sorgte im neuen Eremitage-Park für eine unvergessliche Stimmung und Klangfülle. „Unsere Volkslieder sind ein weltweit einmaliges und unschätzbares Kulturgut“, bestätigte Stefan Kollmann.

Eröffnet wurde das Programm durch die Fanfare „Ballad & Jubilee“, während „Pomp and Circumstance“ sowie „Amazing Grace“ den zweiten Teil einleiteten. Die gespielten und gesungenen Volkslieder wurden von dem bekannten Komponisten Guido Rennert arrangiert. Der Bonner Berufsmusiker hatte zum 40-jährigen Jubiläum des einst von dem Wiesentaler Manfred Keller gegründeten Sinfonischen Jugendblasorchesters Karlsruhe eine der Jugend gewidmete „Badische Ouvertüre“ komponiert.

In Anwesenheit der Familie von Manfred Keller – zwei seiner Enkel spielen auch in dem Auswahlorchester – zeigte sich die Badische Ouvertüre als ein musikalisches Spiegelbild unseres Landesteils. Nach einem kraftvollen Auftakt wurden die Besonderheiten Badens regelrecht hörbar. Das Werk bringt Fröhlichkeit und Tradition ebenso zum Ausdruck wie Selbstbewusstsein und Bescheidenheit. Die beiden jungen, schlagfertigen Moderatoren Lisa Reiff und Christoph Lukas schickten per Handy-Botschaft den fast grenzenlosen Jubel der Besucher an den Komponisten Guido Rennert. Mit dem Schlusslied „Die Gedanken sind frei“ erinnerten die Musiker und Sänger zugleich an die historische Bedeutung des Geländes bei der Eremitage, wo am 21.Juni 1849 das „Gefecht bei Waghäusel“ stattgefunden hatte.

Kurt Klumpp

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Auf zwei Bühnen präsentierten beim „Kultursommer Eremitage Waghäusel“  insgesamt 150 Aktive das „Fest der Lieder“.
Foto: Klumpp



Mit T-Shirt und Sandalen zum Jagdausflug

Wahrscheinlich hat den Besuchern nur das richtige Outfit gefehlt. Zum Jagdausflug geht man geflissentlich mit wetterfester Kleidung und hohen Stiefeln. So aber waren die über 300 T-Shirt- und Sandalenträger bei der Veranstaltung „Jagdliche Impressionen am Barockschloss“ gnadenlos den Unbilden des Wetters ausgesetzt. Und die waren am vergangenen Freitag gewaltig.

Ein Starkregen, der beim „Kultursommer Eremitage Waghäusel“ die neue Festwiese fast in einen matschigen See verwandelte, musste notgedrungen für einen Abbruch der großartig begonnenen Veranstaltung sorgen. Das Hornquartett der Musikschule Waghäusel-Hambrücken unter der Leitung von Fabienne Arnold mit Annika Lang, Lena Widdermann, Felix Knebel und Martina Lang eröffnete die Impressionen mit dem feierlichen Intrada.

Danach sorgte der Kirrlacher Männerchor mit ihrem Dirigenten Richard Trares mit mehreren Liedern für eine prächtige Einstimmung auf das barocke Fest der Jäger. Dabei wurde das Volkslied „Auf zum fröhlichen Jagen“ aufgrund des einsetzenden Regens eher zur Jagd auf die freien Plätze im geräumigen Festzelt. Wer anfangs nur mit einem kurzen Gewitterschauer gerechnet hatte, sah sich getäuscht. Der Gesang wurde zur Wassermusik und zugleich zum Auftakt eines in dieser Form weder organisierbaren noch gewollten, im Ergebnis aber dennoch großartigen musikalischen und geselligen Abends.

Dabei wurde aus dem Abbruch nur eine Unterbrechung, weil die Sänger des Männerchors sowie das Barock-Ensemble die gemütliche Enge des prall gefüllten Festzeltes zu ihrer Bühne machten. Leidtragende waren die Balletteusen des Tanzzentrums der Musikschule, die nach langer Schminkarbeit ebenso wenig auftreten konnten, wie das barocke Tanz-Ensemble „I Danzatori Palatini“.

Im Festzelt aber entwickelte sich eine eher ungewöhnliche, aber stimmungsvolle Atmosphäre aus fröhlichen Jagdliedern und barockem Musikgenuss. Dafür sorgten mit ihren originalen Barock-Instrumenten neben der Sopran-Sängerin Eva Mensch auch die Violinisten Hans-Joachim Berg und Karl-Heinz Stefan sowie Ursula Plagge-Zimmermann mit der Viola, Jörg Rieger mit dem Violoncello und Johannes Wagner am Cembalo.

Kurt Klumpp

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Barocke Musikklänge zwischen Weinschorle und Bratwurst im Waghäuseler Festzelt.
Foto: Klumpp



Paraderolle für Herbert Mahl als Dorfrichter Adam

Die Besucher des „Kultursommer Eremitage Waghäusel“ hatten erstmals Gelegenheit professionelle Schauspieler mit den Laiendarstellern eines örtlichen Theatervereins zu vergleichen. Innerhalb von fünf Tagen gastierten auf der kleinen Festwiese beim Waghäuseler Schloss die Badische Landesbühne Bruchsal und die Wiesentaler „Parole“.

„Das Einzige, was bei den Profis besser war, war das Wetter“, urteilte ein Ehepaar aus einer Nachbargemeinde und lobte damit beide Ensembles. Dabei überzeugte der örtliche Theaterverein mit dem von Regisseur Achim Milbich großartig inszenierten Lustspiel „Der zerbrochene Krug“. In der Hauptrolle als Dorfrichter Adam glänzte der kahlköpfige Herbert Mahl, der sich eigens für die ihm sprichwörtlich auf den Leib geschnittene Rolle das Haupthaar abrasieren ließ. Aber auch die anderen Charaktere des 1808 erstmals am Weimarer Hoftheater aufgeführten Bühnenwerks von Heinrich von Kleist waren ausgezeichnet besetzt.

Allen voran der Gerichtsrat Walter (Alfred Metzger) und Schreiber Licht (Dominik Zimmermann). Birgit Freidel schlüpfte gekonnt in die Rolle von Marthe Roll, deren Tochter Eve (Amely Mahl) eine überzeugend dargestellte Schlüsselrolle in dem Theaterstück innehatte. Sie wusste nämlich, wer in der Nacht bei ihr war und den wertvollen Krug zerbrochen hatte. Verdächtigt wurde Ruprecht (Udo Hirschinger), der Sohn von Bauer Veit (Christoph Gabrysch), den Richter Adam allzu gerne verurteilt hätte. Wichtige Zeugen waren Frau Brigitte (Claudia Gauweiler) sowie die Mägde Grete (Emely Mahl) und Liese, die von Gesine Mack gespielt wurde. Matthias Schmitteckert war der Diener, während Martin Mahl die Lieder mit der Gitarre begleitet hatte.

Das Lustspiel „Der zerbrochene Krug“, eines der herausragenden Werke deutschsprachiger Literatur, parodiert auf komische Art das korrupte Justizwesen und verliert deshalb nicht an Aktualität. 

Kurt Klumpp

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Beim Lustspiel „Der Zerbrochene Krug“ glänzte der Wiesentaler Theaterverein „Parole“ mit eine großartigen Vorstellung.
Foto: Klumpp



Özgür Cebe – ein deutsch-türkischer Spiegelfechter

Das gibt es selten: Schon bevor Özgür Cebe die Bühne betrat, wurde er mit reichlich Beifall überhäuft. Gerade hatte Rolf Heinzmann, Protagonist des „Kultursommer Eremitage Waghäusel“, mitgeteilt, dass der 42-jährige Kabarettist aus Bonn am Vorabend in Hamburg beim Comedy-Contest des Norddeutschen Rundfunks den ersten Platz belegt hatte. Die Ausstrahlung im NDR-Fernsehen erfolgt am 20. September. Ein Termin, den sich Liebhaber des politischen und gesellschaftskritischen Kabaretts unbedingt merken sollten.

Der auch aus mehreren Fernsehserien bekannte Schauspieler brannte im Schatten der Eremitage ein wortreiches Feuerwerk aus lyrischen, musikalischen und komisch-unterhaltenden Elementen ab. Dabei bekannte sich der in Bielefeld geborene Künstler „mit türkischen, kurdischen und armenischen Wurzeln“ zur Bundesrepublik Deutschland. Er suchte den direkten Kontakt zum Publikum und verließ deshalb auch die Bühne. Özgür Cebe geißelte die derzeitigen politischen Zustände im Land seiner Väter und Großväter und verglich Erdogans Machthunger mit dem dritten Reich.

Der 42-Jährige bediente ganz bewusst alle Klischees eines Deutsch-Türken, paarte Wortwitz mit Selbstironie und benutzte geschickt das Mittel der sprachlichen Überzeichnung. Obwohl der ausgebildete Bühnendarsteller der Rolle eines Deutschen mit türkischen Wurzeln mitunter ein schauspielerisches Gehabe gab, wirkte er authentisch und ehrlich. Immer aber auch hintersinnig und mit einem versteckten feinen Humor. Seine Sprachbilder waren zumeist aus der Realität gezeichnet, unterstützten gängige Meinungen über ausländische Mitbürger und haben diese mit kritischen Untertönen verbunden.

Özgür Cebe hält in seinem Soloprogramm „Born In The BRD“ den Menschen den Spiegel unserer Gesellschaft direkt vor die Augen - und schaut dabei aber auch selbst hinein. Er entdeckt Widersprüchliches und Verbindendes, wird zum besten Beispiel wie Menschen mit einem Migrationshintergrund unsere Kultur bereichern können. Dabei lebt er seit über 40 Jahren in Deutschland.

Das zweistündige Sprachfeuerwerk vor der Bühne wurde zum beeindruckenden Erlebnis für die Besucher und für Özgür Cebe selbst – nicht zuletzt auch wegen der bei einbrechender Dunkelheit zunehmenden Anzahl pieksender Schnaken.

Kurt Klumpp

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Der Deutsch-Türke Özgür Cebe begeisterte die Besucher mit einem politischen und gesellschaftskritischen Kabarett.
Foto: Klumpp

 

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