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Der Künstler

pater ottmar hiller, sac

widmet sich im hohen Alter
einer besonderen Herausforderung
.
willkürlich fallende Textilien
Zeichnungen, die eine
begnadete Interpretation wiedergeben

Auch Lumpen haben ein Gesicht


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Wie kam es zu dieser Ausstellung?
Was war die Initialzündung?

Gestatten Sie mir eine Frage: Haben Sie eine Putzfrau? Wenn ja, wie reagieren Sie, wenn diese mal nicht sorgfältig aufgeräumt das Haus verlassen hat? Eines Tages lagen in meinem Bad noch diese Lappen auf dem Boden, verlassen, unaufgeräumt, vergessen von meiner sehr fleißigen, gewissenhaft arbeitenden und außerordentlich hilfsbereiten Putzfrau. Doch Groll kam nicht auf. Und warum? War es Zufall, Fügung oder eine Schnapsidee? Das Durcheinander der Lappen war so gefügt, dass mich in diesem Häufchen von Lumpen ein Gesicht ansah. Dank meiner Putzfrau. Nach mehr als einem Jahr ohne Stift und Pinsel war dies für mich der Anlass zu mehr als 60 Zeichnungen.
Nicht nur die Augen und Hände arbeiten, wenn ich mich auf das, was ich sehe, einlasse. So ganz nebenbei werden dabei Gedanken lebendig, allerdings nicht sonderlich geordnet. Aber sie sind mir wert, ihre Einmaligkeit festzuhalten. Sie sind mir sozusagen zugefallen, durch die Fallgesetze mir ausgeliefert, oder auch mal aufgehängt zum Trocknen. Die immer überraschenden Gesichter, einmalig in ihrer Art, nicht wiederholbar, immer wieder ausgelöscht durch den folgenden Fall. Manchmal auch irritierend: Wo ist oben, wo ist unten? Und welch ein Glück für mich, sie sind alle einer nach strenger Regel festgezurrten Krawatte fremd. Sind es Gesichter der Märchenwelt, oder in Angstträumen Geborene, als zwangsverpflichtete Unwesen einem Gruselkabinett auf dem Jahrmarkt entflohen, oder aus einer noch nicht erschaffenen Tierwelt zum Leben erweckt, mit Wasser speienden Urwesen einer gotischen Kathedrale verwandt mit dem Glöckner von Notre Dame?

Es macht Spaß die Gesichter zu betrachten, sie der Fantasie zu überlassen. Nicht aus eigener Kraft entstanden, sind sie einfach da. Versteckt in schäbigen Lumpen, in Reststoffen, Stofffetzen, gerade noch tauglich, geführt von menschlicher Hand, Schmutz aufzunehmen und zu beseitigen. Und letztlich landen sie selbst auch im Unnützen, im Restmüll. Niemand trauert ihnen nach, vergessen für immer.

Und noch eines. Lumpen kennen keinen Wettstreit. Ihr Naturell lässt Neid oder Eifersucht nicht zu. Sie sind ja nicht als Lumpen geboren. Einst dienten sie vielleicht als Badetuch dem Erholungssuchenden am viel besuchten Badestrand, oder sie rochen den Schweiß eines maschinengestrickten Trikots nach einer sportlichen Niederlage, vielleicht sind sie auch feilgeboten bei einem groß angekündigten Schlussverkauf zu stark herabgesetztem Preis, oder sie kleideten eine vornehm gestylte Dame bei einem glänzend besetzten Konzert, oder sie schützten bei brütender Hitze den schuftenden Arbeiter auf der Baustelle vor dem Sonnenbrand. Aber – Sie alle teilten so von Anfang an mit allem Geschaffenen die Vergänglichkeit.
Es ist kaum zu glauben, dass einmal Menschen, armselig gekleidet, von Tür zu Tür zogen, auf der Straße ihre Anwesenheit als Lumpensammler laut ankündigten. Sind sie nicht mit den Pfandflaschensammlern unserer Tage verwandt, die heutzutage Papierkörbe und Mülltonnen in den Parks durchstöbern? Kannten sie so etwas, was man Berufstolz nennt? Es war wenig, was sie verdienten, aber es war doch ihr eigener selbst erschaffener Verdienst.

Ein Text aus dem Jahre 1850 beschreibt das Selbstverständnis der Sammler so:
“Ja, seh er mich nur an! Ich bin ein Lumpensammler, ein armer, jämmerlich einher ziehender Kerl mit hohlem Aug und eingefallener Wange, mit verschossener, bewichster Jacke und zerrissener Hose. – Braucht  nicht verächtlich wegzuschauen von meiner bleichen Gestalt, oder das Sacktuch vor Nase und Maul zu halten, weil ich eben keinen Ambra- oder Moschusduft von mir gebe, wie die feinen Pflastertreter, die um nichts besser sind, als die Lumpen in meinem Sack. Ich bin ein ehrlicher Kerl, der des Lebens Mühe und Qual bis auf die Neig geleert hat und in dem Meere des Wehes und der Schmerzen, auch wohl zivilisierte Gesellschaft genannt, untergesunken ist, bis auf dem Lumpensack zu liegen gekommen.“

Auch Lumpen haben ein Gesicht. 


 

Pater Ottmar Hiller

1927
geboren in Hausach/Schwarzwald

1939 - 1948
Suso-Gymnasium in Konstanz

1944 - 1945
RAD Vikdring bei Klagenfurt
Soldat in Sonthofen und Mittenwald
amerikanische Gefangenschaft

Nach dem Abitur Theologiestudium bei den Pallottinern (SAC)

1954
Priesterweihe

1955 - 1959
Studium an der Kunstakademie in Stuttgart
"Freie Grafik" bei Prof. Rössing

1959 - 1961
Studium Erdkunde als Zweitfach an der
Hochschule in Stuttgart

1961 - 1963
Referendarzeit in Karlsruhe

1963 - 1992
Lehrer am Privatgymnasium St. Paulusheim in Bruchsal

Themen seiner Kunstarbeiten

religiöse Inhalte abseits gängiger Darstellungsweisen
ferner vorwiegend Landschaften, die er vor allem in Ferienfreizeiten durch Zeichnungen aufgenommen hat 
und dann in Acrylbilder umsetzte

wechselte im Laufe der Zeit die Technik
expressio-, 
impressio- und kubistische Malart



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